Migration von Corsairs Legacy von Unity 2022 zu Unity 6 vom Tech-5 Team

In den vergangenen Monaten war eine der größten technischen Aufgaben innerhalb von Corsairs Legacy die Migration von Unity 2022 auf Unity 6.
Von außen betrachtet wirken Engine-Upgrades oft wie ein relativ einfacher Prozess - Projekt öffnen, Version aktualisieren, ein paar Warnungen beheben, fertig. In der Realität wird eine Engine-Migration bei einem großen Open-World-RPG mit jahrelang gewachsenen Systemen, eigener Rendering-Logik, Streaming, KI, Physik und plattformspezifischen Optimierungen jedoch zu einem eigenständigen Großprojekt.
Für uns hat dieser Übergang nahezu jedes Kernsystem des Spiels betroffen.
Warum wir uns für Unity 6 entschieden haben
Corsairs Legacy ist ein ungewöhnlich anspruchsvolles Projekt in Bezug auf Weltgröße und Asset-Dichte.
Das Spiel enthält:
- große nahtlose Segelgebiete
- dichte tropische Inseln
- umfangreiche Vegetation
- eine große Anzahl einzigartiger Materialien
- dynamische Wettersysteme
- Rendering über große Sichtweiten
- Schiffsinterieurs
- große Mengen an 4K-Texturen
- World-Streaming-Systeme
- komplexe KI-Simulationen
Mit fortschreitender Entwicklung wurden die Grenzen des Speicher-Managements und Streamings in Unity 2022 immer deutlicher - insbesondere während langer Spielsitzungen und beim Durchqueren großer Seegebiete.
Einer der größten Schwachpunkte war die Konsistenz des Texture Streamings.
Theoretisch existierte Texture Streaming bereits in früheren Unity-Versionen. In der Praxis stießen wir unter der Größe und Komplexität von Corsairs Legacy jedoch regelmäßig auf Situationen, in denen die VRAM-Auslastung instabil wurde, Texturen zu aggressiv geladen wurden oder das Streaming-Verhalten nicht dynamisch genug auf veränderte Gameplay-Situationen reagierte.
Besonders sichtbar wurde dies während des Segelns, wenn sich der Spieler schnell durch riesige Umgebungen mit ständig wechselnden Sichtweiten bewegt.
Die Migration war deutlich schwieriger als erwartet
Der Übergang selbst verlief alles andere als problemlos.
Eine große Anzahl interner Systeme musste refaktoriert oder teilweise neu geschrieben werden:
- Rendering-Pipelines
- Shader-Kompatibilität
- Post-Processing
- Terrain-Systeme
- Vegetations-Rendering
- Speicherverwaltungslogik
- Streaming-Systeme
- Editor-Tools
- benutzerdefinierte Plugins
- UI-Verhalten
- Drittanbieter-Integrationen
Einige Systeme verhielten sich unterschiedlich, obwohl der Code selbst unverändert blieb.
In mehreren Fällen traten Bugs erst nach stundenlangem Gameplay oder unter sehr spezifischen World-Streaming-Bedingungen auf. Außerdem gab es Situationen, in denen Systeme in Editor-Builds perfekt funktionierten, sich nach der Migration jedoch in Standalone-Builds anders verhielten.
Open-World-Projekte reagieren besonders empfindlich auf solche Änderungen auf Engine-Ebene, da viele Systeme kontinuierlich in Echtzeit miteinander interagieren.
Die größte Verbesserung: Texture Streaming funktioniert endlich richtig

Eine der wichtigsten technischen Verbesserungen für Corsairs Legacy nach dem Umstieg auf Unity 6 war die drastische Verbesserung des Texture-Streaming-Verhaltens.
Für uns war das ein enormer Fortschritt.
Da Corsairs Legacy stark auf detailreiche Umgebungen und große Mengen an 4K-Texturen setzt, war der VRAM-Druck schon immer einer der größten technischen Engpässe - insbesondere auf Mittelklasse-GPUs und Handheld-Systemen.
Mit Unity 6 wurde das Streaming-Verhalten deutlich stabiler und vorhersehbarer.
Die Engine verwaltet die Texture Residency nun wesentlich besser dynamisch abhängig von:
- Kamerasichtbarkeit
- Entfernung
- Wichtigkeit der Szene
- Bewegungsgeschwindigkeit
- aktuellem Speicherdruck
Dadurch konnten wir die unnötige VRAM-Belastung erheblich reduzieren und gleichzeitig die Bildqualität dort hoch halten, wo sie tatsächlich wichtig ist.
In der Praxis bedeutet das:
- weniger plötzliche VRAM-Spitzen
- bessere Speicherstabilität während langer Spielsitzungen
- flüssigeres Reisen beim Segeln
- weniger aggressive Entlade-/Neuladevorgänge von Texturen
- bessere Skalierbarkeit auf unterschiedlichen Hardware-Klassen
Für ein Spiel wie Corsairs Legacy, in dem der Spieler auf einem Schiff stehen und gleichzeitig beobachten kann:
- Ozeanoberflächen
- Inseln
- Vegetation
- Siedlungen
- Schiffe
- entferntes Terrain
- dynamisches Wetter
- volumetrische Effekte
...war diese Verbesserung extrem wichtig.
FPS-Verbesserungen
Ein weiteres großes Ergebnis der Migration waren Performance-Gewinne.
Nach Monaten zusätzlicher Optimierungsarbeit im Zuge der Unity-6-Migration konnten wir in mehreren anspruchsvollen Gameplay-Szenarien deutliche FPS-Verbesserungen feststellen.
Besonders sichtbar war dies bei:
- groß angelegten Segel-Szenarien
- der Erkundung von Inseln
- Gebieten mit dichter Vegetation
- wetterintensiven Szenen
- Situationen mit großen Sichtweiten
Ein Teil dieser Verbesserungen stammt direkt aus Unity 6 selbst, ein anderer Teil daraus, dass die Migration uns dazu zwang, mehrere ältere Systeme zu überarbeiten und zu optimieren, in denen sich über die Jahre technischer Ballast angesammelt hatte.
In gewisser Weise wurde die Migration zu einer groß angelegten „technischen Bereinigungsphase“ für das Projekt.
Die Arbeit geht weiter
Obwohl die Migration bereits sichtbare Vorteile bringt, ist dieser Prozess noch nicht abgeschlossen.
Engine-Migrationen bei großen Spielen sind nie wirklich „fertig“, direkt nachdem der erste erfolgreiche Build erstellt wurde. Es gibt immer Sonderfälle, plattformspezifische Verhaltensweisen und Optimierungsmöglichkeiten, die erst während längerer Tests sichtbar werden.
Wir arbeiten weiterhin an Verbesserungen bei:
- Speicherverhalten
- Streaming-Logik
- Controller- und Plattform-Kompatibilität
- CPU-Engpässen
- GPU-intensiven Rendering-Pfaden
- Steam-Deck-Performance
- Shader-Optimierung
- Ladestabilität
Insgesamt ist der Wechsel zu Unity 6 jedoch bereits jetzt eines der wichtigsten technischen Upgrades in der bisherigen Entwicklung von Corsairs Legacy geworden.
Und das Wichtigste daran - er gibt uns eine wesentlich stärkere technische Grundlage für die Zukunft des Projekts.
22.08.2025, Tech-5 Team

















